Sportliche Ziele für Schweizer KMU
Globale Sportanlässe wie die Olympischen Sommerspiele in London 2012 oder die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 setzen Investitionslawinen in Gang – mit Exportmöglichkeiten für Schweizer Firmen.
Swissmade kann auch bei globalen Sportanlässen ein Wettbewerbsvorteil sein. Unternehmen mit speziellen Kernkompetenzen und Nischenprodukten sind dann weltweit gefragt: ob für die Lieferung von Trikots, von Sport- und Spielgeräten oder für die Installation von Bauten. «Vor allem Schweizer Firmen aus der Baubranche, die innovative und nachhaltige Systeme anbieten, standen bisher im Fokus. Denn der temporäre Bau, der es erlaubt, ganze Stadien nach dem Grossanlass wieder verschwinden zu lassen, spielt eine immer grössere Rolle», sagt der Osec-Vertreter Thorsten Terweiden, der in London den Swiss Business Hub UK leitet.
1:0 für Schweizer Qualität
Wenn am 27. Juli 2012 in London der Startschuss für die Olympischen Sommerspiele fällt, ist eine Schweizer Firma mit auf den ersten Plätzen: die Nüssli-Gruppe aus demthurgauischen Hüttwilen als weltweit tätiger Anbieter von temporären Bauten für Events, Messen und Ausstellungen. «Wir verfolgen momentan zahlreiche Opportunitäten in London. Das sind Projekte im Bereich von Sponsorenpavillons für die Eröffnungszeremonie oder die Lieferung von Overlayleistungen für temporäre Bauleistungen. Bis jetzt haben wir zwei konkrete Aufträge erhalten. Wir bauen eine temporäre Basketballhalle zu Trainingszwecken und im Olympiapark verschiedene temporäre Hallen für den Modernen Fünfkampf», sagt Daniel Cordey, der CEO Market der Nüssli-Gruppe. Das Unternehmen besitzt jahrzehntelange Erfahrung im Bereich grosser internationaler Sportanlässe – es realisierte schon 1972 für die Olympischen Sommerspiele in München einen Auftrag.
«Dank unseres Leistungsausweises sind wir den meisten Veranstaltern bekannt. Gleichwohl ist es oft schwierig, sich in neu gegründeten Projektorganisationen und in einem fremden Land gut zu positionieren», berichtet Cordey. Zudem sei es eine grosse Herausforderung, in einem unbekannten Umfeld und unter starkem Zeitdruck einzigartige Infrastrukturen aufzustellen, die die gleichen technischen Anforderungen zu erfüllen haben wie permanente Bauten. «Da kommen oft auf einen Schlag viele Herausforderungen zusammen», sagt Cordey. «Es ist nicht immer einfach, die lokalen Verhältnisse, von den technischen NormenAls Normen werden meistens Regeln der Technik bezeichnet. Normen gibt es aber auch in anderen Bereichen; im Rechnungswesen bspw. sind die International Accounting Standards (IAS) von Belang. Normen fördern die Rationalisierung, ermöglichen die Qualitätssicherung, dienen der Sicherheit am Arbeitsplatz und in der Freizeit, vereinheitlichen Prüfmethoden etwa im Umweltschutz und erleichtern generell die Verständigung in Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit.
Normen fördern den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr. In der Europäischen Union (EU) und im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erleichtert die Anwendung harmonisierter Normen den Nachweis der Konformität mit den grundlegenden Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen (CE-Kennzeichnung) für eine grosse Zahl von Industrieprodukten. Normen werden nicht vom Staat erlassen, sondern genau von jenen gemacht, die sie benötigen: Wirtschaft, Konsumenten, Verwaltung, Wissenschaft. Ihre Vertreter investieren Zeit und Know-how in die Schaffung von Normen - im eigenen Interesse wie auch im Interesse der Allgemeinheit.
Es gibt Schweizer Normen (SN), Europäische Normen (EN), Internationale Normen (ISO und IEC) und so genannte Werksnormen. Das schweizerische Normenwerk (weit über 10'000 Dokumente aus allen Branchen und Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft) wird von der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) betreut. bis hin zum kulturellen Umfeld, gut im Griff zu haben.» Dass schon heute relativ viele Schweizer Firmen an internationalen Grossanlässen tätig sind, hat für Cordey nicht nur mit der Qualität zu tun: «Vielleicht liegt es auch daran, dass der Sitz vieler Sportverbände in der Schweiz ist.»
Olympische Spiele als Startschuss
Im Gegensatz zu Nüssli hatten andere Schweizer Unternehmen bei den Olympischen Spielen in London 2012 von Anfang an weniger Chancen: 98 Prozent aller Dienstleister stammen aus dem Inland. Denn lokale Branchen und vor allem KMU aus dem Osten Londons sollen gefördert werden. Das ist ein spezieller Aspekt dieser Spiele, denn London nutzt den Grossanlass vor allem auch dafür, den Ausbau des vergleichsweise unterentwickelten Ostens der Millionenstadt voranzutreiben. «Hier im East End entsteht zum Startschuss der Spiele ein neues Stadtzentrum, das für Schweizer KMU über das Sportereignis hinaus interessante Möglichkeiten bietet», sagt Terweiden.
Unter anderem entsteht dort ein Cleantech-Park, der ausländischen Firmen über den Sommer 2012 hinaus Opportunitäten bietet. Auch das Zentrum für Schweizer Unternehmen mit Sitz in London könne sich dorthin verschieben: Swatch UK ist beispielsweise kürzlich schon in den Osten gezogen. «Bei den Olympischen Spielen hier in London hatten eigentlich nur Schweizer Firmen eine gute Chance, die schon internationale Erfahrung haben oder ein Referenzprojekt in der Schweiz haben vorzeigen können. Doch im Spin-off nach den Olympischen Spielen werden diese Einschränkungen teilweise wegfallen», sagt Terweiden.
Schweizer spielen weltweit mit
Nach den Olympischen Spielen in London zieht die Karawane der weltgrössten Sportevents weiter: nächster Halt Brasilien, das auch auf die Olympischen Spiele als Zugpferd für die Wirtschaft setzt. In Brasilien herrscht grosser Optimismus, und fast täglich werden neue Investitionsvorhaben vermeldet. Wenn hier 2014 und 2016 mit der Fussball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Sommerspielen die weltweit grössten Sportveranstaltungen durchgeführt werden, bieten sich auch für Schweizer KMU einige Chancen. Denn schon heute ist Brasilien der mit Abstand wichtigste Schweizer Handelspartner in Lateinamerika. Und anlässlich des Fussballspektakels 2014 pumpen Staat und Privatwirtschaft Investitionen von schätzungsweise 29,8 Mrd. EuroName der Einheitswährung der Europäischen Union (EU), die allerdings vorerst nur von 17 (momentan) der 27 Mitgliedstaaten genutzt wird. Grossbritannien, Dänemark und Schweden sowie Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Polen, Tschechien und Ungarn halten noch an ihren traditionellen nationalen Währungen fest.
Daneben wird der Euro in einer ganzen Reihe weiterer Länder, wie beispielsweise in nahen Nachbarländern und früheren Kolonien, entweder formal als gesetzliches Zahlungsmittel oder für praktische Zwecke verwendet. So beispielsweise Andorra, Montenegro, Kosovo, San Marino und der Vatikan.
Die Einheitswährung existiert seit dem 1. Januar 1999 als Buchgeld; die Wechselkurse der Währungen der beteiligten Staaten sind seit diesem Datum untereinander und zum Euro fixiert. Seit dem 1. Januar 2002 sind auch Euro-Noten und -Münzen in Umlauf.
Der Euro wurde im Rahmen der so genannten Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) realisiert. An dieser Währungsunion können nur EU-Staaten teilnehmen, die bestimmte Konvergenzkriterien (auch Maastricht-Kriterien genannt) erfüllen. Diese Kriterien enthalten Vorgaben über die Höhe des zulässigen Inflations- und Zinsniveaus, über die Staatsverschuldung sowie über die störungsfreie Teilnahme am Europäischen Währungssystem (EWS; System zur Stabilisierung der Wechselkurse der Währungen der EU-Staaten). Im Rahmen eines Mechanismus zur Koordinierung und Überwachung der nationalen Wirtschaftspolitiken wird die Einhaltung dieser Kriterien periodisch überprüft. Ziel ist es, in den an der WWU beteiligten EU-Staaten eine möglichst hohe Preisniveaustabilität zu gewährleisten. Diesem Ziel ist auch die Europäische Zentralbank verpflichtet, die seit der Einführung des Euro anstelle der nation in die brasilianische Infrastruktur. Für die Olympischen Spiele könnten noch einmal bis zu 9,7 Mrd. Euro hinzukommen.
Doch auch die Fussball- Weltmeisterschaft 2018 in Russland mit mindestens 35 Mrd. Euro verfügt über ein grosses Investitionsvolumen. Besonders der Eisenbahnbau mit den geplanten Hochgeschwindigkeitstrassees zwischen Moskau und St. Petersburg ist kapitalintensiv. In den Stadionbau fliessen ungefähr 2,7 Mrd. Euro. Und auch die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi bringen Geschäftsmöglichkeiten, die etwa die Schweizer Garaventa AG für sich nutzt. Der Seilbahnbauer aus der Zentralschweiz hat in Sotschi gleich mehrere Grossbaustellen: für 25 Anlagen bekam er Aufträge. Die Hälfte davon konnte schon fertig gestellt werden. Garaventa hat wie Nüssli schon Erfahrungen an globalen Sportanlässen, z.B. in Südafrika anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 2010. «Die spektakuläre Standseilbahn im Moses Mabhida Stadium in Südafrika war die letzte in einer ganzen Reihe von Anlagen bei sportlichen Grossevents. So standen wir vorher schon an diversen Olympischen Winterspielen mit Anlagen im Rampenlicht», sagt Beat Musfeld, Projektleiter Verkauf bei Garaventa.
Im Gegensatz zu den oft geforderten temporären Bauten an Sportanlässen sollen die Seilbahnen auch im Nachhinein einen Nutzen haben. Dazu Musfeld: «Deswegen sind die Anfragen immer sehr spezifisch und vielfach auch einmalig. Die Bahnen haben anschliessend immer einen touristischen Wert in der Region.» So nutzt Garaventa die Aufträge für internationale Sportanlässe vor allem auch aus Prestigegründen. «Der Koordinationsaufwand für solche Anlässe ist enorm, da der Kreis der Projektteilnehmer ständig wächst und die Anforderungen im Projektablauf nie kleiner werden. Ausfinanzieller Sicht waren die Kosten für die Anlage in Durban für den Bauherrn sehr gering – die Beachtung der Anlage hingegen war bei allen Stadionbesichtigungen immer riesig», sagt Musfeld. Das neueste Projekt betrifft nun sogar London. Ab dem Olympiasommer 2012 soll eine 10er-Gondelbahn über die Themse führen. Sie würde damit die erste städtische Luftseilbahn in Grossbritannien und gut in das öffentliche regionale und überregionale Verkehrsnetz eingebunden sein.
Sportanlässe mit Nachspielzeit
Laut Thorsten Terweiden können globale Sportanlässe für KMU im Zusammenhang mit Geschäftsmöglichkeiten auch nach den jeweiligen Spielen von Interesse sein: In London beispielsweise werde sich auch im Nachgang zum Grossanlass noch einiges entwickeln. Interessierte Schweizer Firmen sollten deswegen regelmässig unter der ursprünglich für Olympia-Aufträge eingerichteten und nun weitergeführten Website www.competefor.com nach Aufträgen Ausschau halten. «Generell läuft heute bei jedem internationalen Sportanlass viel über Webportale. Die gilt es für Auftragnehmer vorab zu prüfen. Dort bekommt man auch recht schnell einen Überblick über die Formalien und die Zulassungsbedingungen. Ausserdem findet man Partner, über die man eventuell schneller auf den ausländischen Markt kommt», rät Terweiden. Darüber hinaus sei es aber unabdingbar, sich auch vor Ort ein Bild zu machen.
Weitere interessante Artikel
Direkter Zugang zu Expertenwissen
export! jetzt kostenlos abonnieren
Jetzt Osec-Mitglied werden!
Osec Mitgliedschaft: gemeinsam erfolgreich - weltweit.
Mehr Informationen zum Thema
Autor




Anmelden