Osec-Kurzanalyse: Südkorea – Magnet für ausländische Investitionen
Die ausländischen Direktinvestitionen in Südkorea boomen, angetrieben insbesondere durch ein starkes Wachstum der Investitionen aus Europa. Die Direktinvestitionen aus der Schweiz haben sich im Vergleich zum Vorjahr gar mehr als verdoppelt. Sämtliche Schweizer Grossfirmen sind mittlerweile vor Ort präsent. In der Folge mehren sich in Südkorea mit jedem Jahr auch die Geschäftsmöglichkeiten für kleinere und mittlere Unternehmen Schweizer Provenienz.
Gemäss einem Bericht des südkoreanischen Wirtschaftsministeriums nahmen die versprochenen Investitionen gegenüber dem Vorjahr um 4,6% auf USD 13,67 Mrd. zu. Die tatsächlich getätigten Investitionen stiegen um 18,3% auf USD 6,4 Mrd.
Die EU ist seit einigen Jahren der grösste Investor in Südkorea. 2010 entfielen rund ein Viertel der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Südkorea auf Unternehmen aus der EU. Und diese bauen ihre Investitionen weiter sukzessive aus (2011: +57,4%). Gemäss den vom Wirtschaftsministerium publizierten Zahlen stechen vor allem Deutschland (+449%), Frankreich (+47,5%) und Grossbritannien (+41,5%), d.h. die grossen europäischen Volkswirtschaften, bei den Neuinvestitionen hervor.
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Das Wachstum der Investitionen aus den USA (+20,2%) und Japan (+9,6%) fällt etwas bescheidener aus. China baut seine Investitionen stark aus (+57,2%), liegt aber in absoluten Zahlen nach wie vor weit hinter den übrigen wirtschaftlichen Grossmächten (zum Vergleich: China USD 651 Mio., Japan 2,28 Mrd., USA 2,37 Mrd., EU 5,03 Mrd.).
Auch die Investitionen der grossen südkoreanischen Firmen im Land selber nehmen stetig zu. Gerade kürzlich hat das Wirtschaftsministerium die Ergebnisse einer Umfrage publiziert, wonach die 30 grossen südkoreanischen Konglomerate ihre Investitionen im laufenden Jahr um 12,3% auf stolze USD 130,65 Mrd. zu erhöhen und 123‘000 Beschäftigte neu einzustellen gedenken. Von diesen Neuinvestitionen fallen USD 40 Mrd. nur schon bei der Samsung-Gruppe an.
Vor dem aktuellen weltwirtschaftlichen Hintergrund ist diese Entwicklung bemerkenswert, insbesondere auch mit Blick auf die grossen Probleme im Euro-Raum. Südkorea profitiert sichtlich von seinen wirtschaftlichen Erfolgen, den guten Exportresultaten und den erfolgreichen Abschlüssen von FreihandelsabkommenFreihandelsabkommen erfassen im Regelfall den grenzüberschreitenden Warenverkehr zwischen den Vertragsparteien. Waren, die unter solche Abkommen fallen, kommen in den Genuss von Zollbegünstigungen bzw. Zollbefreiung. Sie müssen allerdings Ursprung in einem der Vertragsstaaten haben, um von dieser präferenziellen Behandlung zu profitieren.
Die Schweiz hat mit verschiedenen Staaten und Staatengruppen Freihandelsabkommen abgeschlossen.. Im letzten Jahr sind umfassende Abkommen mit der EU (seit 1. Juli 2011 de facto in Kraft) und den USA (Inkrafttreten wird in der ersten Hälfte 2012 erwartet) abgeschlossen werden.
Anlässlich des Staatsbesuchs des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak in China einigten sich beide Staaten auf die Aufnahme von Verhandlungen zu einem bilateralen Freihandelsabkommen. Im Gespräch, aber noch nicht so weit fortgeschritten, ist auch ein trilaterales Abkommen China-Japan-Südkorea. Würde Südkorea ein Durchbruch mit China gelingen, wäre es wohl das allererste Land, das über Freihandelsverträge mit allen drei grossen Handelsmächten, EU, USA und China, verfügt.
Südkorea strebt seit längerem die Funktion einer Drehscheibe in Ostasien bzw. im ganzen pazifischen Raum an, ohne dass bislang der ganz grosse Durchbruch gelungen wäre. Geografisch ist es ausgezeichnet gelegen. Es verfügt auch über die für eine Führungsrolle im internationalen Handel notwendige Infrastruktur.
Was die Direktinvestitionen anbelangt, sprechen sich langsam aber sicher die Vorteile Südkoreas herum. Neben hochqualifizierten Arbeitskräften und einem allgemein hohen Qualitätsniveau in der Produktion sticht die fast unschlagbare Geschwindigkeit in der Implementierung und Umsetzung von Projekten hervor. Der Erfolg vieler koreanischer Firmen verdankt sich zu einem guten Teil diesen Faktoren. Kommt hinzu, dass die Rechtssicherheit hoch ist, das Land über ein funktionierendes und für Ausländer faires Rechtssystem verfügt und die KorruptionKorruption behindert den freien Wettbewerb in zahlreichen Ländern. Abklärungen über einen ausländischen Markt sollten deshalb das Korruptionsrisiko einbeziehen. Die Nicht-Regierungsorganisation Transparency International erstellt regelmässig einen Corruption Perceptions-Index für rund 90 Länder.
Mit Hilfe dieses Index lässt sich das relative Niveau des Korruptionsrisikos im Zielmarkt abschätzen. Der Index integriert 16 Untersuchungen von acht unabhängigen Organisationen und vermittelt damit ein recht gutes Bild. 1999 veröffentlichte Transparency International einen weiteren Index, der Exportländer nach ihrer Neigung zum Anbieten von Bestechungsgeldern einstuft (Bribe Payers Index). Die Schweizer Vertretung im jeweiligen Zielmarkt orientiert Unternehmen auf Anfrage mündlich über ihre Einschätzung zu politischen und anderen Risiken im Zielland. bei weitem nicht so verbreitet ist wie in anderen asiatischen Staaten.
Die guten Rahmenbedingungen locken auch Schweizer Unternehmen nach Südkorea. Die grossen Schweizer Firmen sind mit ganz wenigen Ausnahmen vor Ort präsent, die Schweizer KMU allerdings noch deutlich untervertreten. Im Gegensatz etwa zu den deutschen KMU. Die Schweiz hat seit 2006 ein Freihandelsabkommen (EFTA) mit Südkorea, was den Exporten grossen Auftrieb gegeben hat (siehe auch Republic of Korea: Economic and FTA Survey among Swiss Companies 2011). Die Investitionen nehmen tendenziell ebenfalls zu. Gemäss den Zahlen des koreanischen Wirtschaftsministeriums haben 2011 die versprochenen Investitionen aus der Schweiz überdurchschnittlich stark zugenommen, und zwar um +121,2% von USD 85 Mio. auf 188 Mio.
Die insgesamt gute Wirtschaftsentwicklung Südkoreas, die solide Bilanz und die vielen Vorteile des Landes sprechen dafür, das Land der Morgenstille bei Investitionsentscheiden im asiatischen Raum vertieft in Betracht zu ziehen. Südkorea gehört auf jeden Fall auf den Radar Schweizer Firmen.
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