Osec-Analyse: China setzt neue wirtschaftspolitische Akzente
Der globale Wirtschaftsmotor China läuft nicht mehr so rund wie auch schon. Peking lässt sich davon allerdings nicht weiter beunruhigen und setzt sich bereits wieder neue Entwicklungsziele, bei deren Umsetzung auch innovative Schweizer Unternehmen zum Zug kommen können. Eine Lagebeurteilung des Swiss Business Hub China.
In den westlichen Medien wird in letzter Zeit immer häufiger über einen Rückgang des Wirtschaftswachstums in China und dessen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft spekuliert. Wird es China schaffen, eine weiche Landung hinzubekommen, oder wird die Landung doch eher hart sein?
Der Terminus «hart» ist in diesem Zusammenhang allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Auch in den allerschlimmsten Szenarien dürfte das Wachstum im Reich der Mitte kaum die 7%-Marke unterschreiten. Vielfach wird auch vergessen, dass diese Abkühlung des Wirtschaftsmotors gewollt bzw. von der Zentralregierung geplant ist. Im 12. Fünf-Jahresplan, der im März 2011 von Peking verabschiedet worden war, wird ein Wirtschaftswachstum von 7% als wünschenswert erachtet.
Von «Made in China» zu «Designed and Created in China»
Die nachhaltige Entwicklung der Binnenwirtschaft geniesst derzeit im Gegensatz zu früheren Jahren deutlich mehr Gewicht als das Bestreben, hohe Wachstumszahlen (künstlich) zu generieren. In diesem Sinn ist vorgesehen, dass China in entwicklungstechnischen Bereichen künftig eine gewichtigere Rolle spielen soll, was dann folgerichtig zu einer besseren, einträglicheren Position in der globalen Wertschöpfungskette führen würde.
Von «Made in China» zu «Designed/Created in China». Erste Zeichen dieses Trends sind schon sichtbar: mit Unterstützung der lokalen Behörden haben diverse Multis wie zum Beispiel Intel, Microsoft oder Coca Cola, aber auch Schweizer Konzerne wie Roche und Novartis ihre Forschungs- und Entwicklungszentren für den asiatischen Raum in China angesiedelt – oder zumindest entsprechende Vorhaben angekündigt.
Massnahmen gegen die Einkommensschere
Ein weiterer zentraler Punkt des neusten Fünf-Jahresplans ist die Minimierung bestehender Einkommensungleichheiten. Hierbei gilt es vor allem, die enormen Unterscheide zwischen den reichen urbanen Küstenregionen und dem ländlichen Westen zu berücksichtigen, so ist beispielsweise der Minimallohn in der Provinz Zhejiang mit CNY 1310 2,5 mal höher als in der Provinz JiangXi (CNY 500).
Im Zuge der weltweiten Finanzkrise von 2008 wurden im Rahmen des staatlichen Konjunkturpakets grosse Anstrengungen unternommen, den Zugang zu und die Infrastruktur in den westlichen Provinzen zu verbessern. Eine optimierte Logistik, generell tiefere Kosten und Vergünstigungen bei der Unternehmenssteuer oder der Landmiete sollen dafür sorgen, dass sich vermehrt produzierende Unternehmen im Westen des Landes ansiedeln.
Zudem sollen mit Blick auf die soziale und politische Stabilität des Landes auch die Einkommensunterschiede zwischen Einzelpersonen reduziert werden. Vorgesehen ist, die Minimallöhne in Relation zu den hohen Einkommen künftig stärker ansteigen zu lassen. Peking will deshalb die Minimallöhne bis 2015 landesweit um mindestens 40% anheben. Gleichzeitig sollen die staatlichen Sozial- und Gesundheitsleistungen verbessert und ausgebaut und die Steuern für die unteren Einkommensschichten gesenkt werden.
Gezielte Förderung ausgewählter Branchen
Erstmals wird auch die Umwelt als ein Schwerpunktthema im Fünf-Jahresplan aufgegriffen. So soll der CO2-Ausstoss pro Einheit BSP verringert und der Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieproduktion erhöht werden. Gleich drei der sieben Industrien, die in der Planungsperiode gezielt vom Staat gefördert werden sollen, sind im Umweltbereich verankert
Von 2011 bis 2015 sollen insbesondere jene sieben strategischen Industrien gezielt gefördert werden, die von Peking als Rückgrat der zukünftigen chinesischen Wirtschaft definiert worden sind. Die sieben Industrien sind: Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Cleantech, Biotechnologie, neue Materialen (z.B. seltene Erden), neue Informationstechnologien, hochwertige Apparatur- und Anlagenproduktion sowie emissionsfreie Fahrzeuge. In diesen Branchen rechnet sich China gute Chancen aus, binnen absehbarer Frist zu den globalen Marktführern aufschliessen zu können. Die Regierung ist angeblich bereit, diese Industrien mit mehr als CNY 4 Billionen zu fördern. Mit dem Ziel, dass die sieben Branchen bis 2020 15% des BSP ausmachen.
Geschäftschancen für Schweizer Unternehmen
Für Schweizer Firmen, die in besagten Industrien tätig sind, könnte sich China zu einem sehr interessanten Markt entwickeln. Einem Markt, mit einem überdurchschnittlich hohen Geschäftspotenzial, speziell für jene Firmen, die gegenüber ihrer chinesischen Konkurrenz einen technologischen Vorsprung aufweisen.
Allerdings sind den ausländischen Firmen auch hier Grenzen gesetzt. Denn strategisch wichtige Industrien werden in China in der Regel vom Staat kontrolliert. Um Zutritt zum chinesischen Markt in strategischen Industrien zu erhalten, müssen ausländische Firmen meist ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner eingehen. Vom Staat wird vorgeschrieben, wie hoch der Anteil der Wertschöpfung in China sein muss (>70%) und oft auch, welche Teile vor Ort hergestellt werden müssen.
Im Markt selber tritt der Staat in Form von lokalen Regierungen oder staatlich kontrollierten Betrieben einerseits als Nachfrager auf, andererseits kann durch das öffentliche Ausschreibungsverfahren auch das Angebot vom Staat kontrolliert werden. Bekanntlich werden ausländische Technologien oft in China weiterentwickelt (z.B. im Eisenbahnsektor). Aufgrund dieser Faktoren ist davon auszugehen, dass die einheimischen chinesischen Firmen am meisten von dieser grosszügigen staatlichen Unterstützung profitieren werden. Chancen gibt es für ausländische Produzenten vor allem bei hochwertigen Komponenten (z.B. Sicherheitssensoren), die aufgrund ihrer Präzision, Zuverlässigkeit und der damit involvierten hohen Qualitätsstandards in China (noch) nicht hergestellt werden können.
Weitere interessante Artikel
Direkter Zugang zu Expertenwissen
export! jetzt kostenlos abonnieren
Jetzt Osec-Mitglied werden!
Osec Mitgliedschaft: gemeinsam erfolgreich - weltweit.



Anmelden