Osec-Analyse: «Schweizer Know-how ist in Russland hoch willkommen»
Interview mit Leo Ribeli, Leiter des Swiss Business Hub Russia, über die Geschäftsmöglichkeiten von Schweizer Unternehmen im Rahmen von Sportgrossverantaltungen in Russland und ein paar grundlegende Anforderungen des russischen Marktes, die es zu beachten gilt, wenn man von der Konkurrenz nicht auf die Plätze verwiesen werden will.
Wie gehen Schweizer KMU am besten vor, wenn sie sich für Aufträge im Rahmen der Fifa-WM 2018 interessieren?
Leo Ribeli: Ein guter Anfang sind die laufenden und kommenden AusschreibungenDie öffentliche Hand vergibt jährlich Aufträge in Höhe von rund 16% des BIP (in der EU ca. 1500 Mrd. €) eines Landes. Diese Projekte werden öffentlich ausgeschrieben, sind konjunkturunabhängig und bieten in allen Branchen interessante Exportmöglichkeiten für Schweizer KMU.
Die Ausschreibungsplattform STEP (Selective Tenders & Projects) sammelt kontinuierlich nationale und internationale Geschäftsmöglichkeiten und Ausschreibungen und leitet für die angemeldete Schweizer KMU relevante Ausschreibungen und Projekte ohne Zeitverzögerungen weiter.
Jede Schweizer KMU hat als STEP-Abonnentin Zugriff auf die gesamte Datenbank von STEP und erhält somit auch Kenntnis von wichtigen Projekten aus der Privatwirtschaft. Diese zusätzlichen Geschäftsmöglichkeiten werden vom Osec-Aussennetz (bestehend aus 93 Botschaften, 12 Missionen bei internationalen Organisationen sowie 41 Generalkonsulate und die 16 Swiss Business Hubs) geprüft und in STEP erfasst.
Nutzen Sie die Gelegenheit STEP kostenlos zu testen. Registrierung unter: ‹http://www.tenders.ch›. Darauf sollte man ein Augenmerk haben. Wichtig ist aber bei allen Engagements in Russland, über einen starken lokalen Partner zu verfügen. Ohne dürfte es sehr schwierig werden. Solche Partner haben gewöhnlich ein fundierteres Verständnis des geschäftlichen Umfelds als Aussenstehende. Sie sind auch wichtig, wenn die Rechtssicherheit ungenügend ist. Mit einem starken Partner im Rücken hat man bessere Chancen auf Erfolg. Natürlich ist auch das keine Garantie.
Ökologisches und nachhaltiges Bauen gewinnt zusehends an Bedeutung. Wird die Schweiz hier als besonders interessanter Know-how-Träger und Anbieter wahrgenommen?
Die breite Bevölkerung in Russland ist ökologisch noch nicht stark sensibilisiert, zumal derzeit kaum Mangel an Energieträgern herrscht. Vorgaben für Sportgrossanlässe gibt es, auch mit Bezug auf nachhaltiges Bauen und schonenden Ressourcenumgang generell, und danach müssen sich die Interessenten richten. Die Firma Implenia hat in Sochi beim Bau des Eishockeystadions beispielsweise Lösungen präsentieren müssen, wie das Regenwasser aufgefangen, aufbereitet und wieder genutzt werden kann. Auch die Wärmerückgewinnung war ein angestrebtes Ziel. Für ökologisches Bauen gibt es also vielversprechende Ansätze. Es dauert in Russland sicher noch einige Jahre, bis sich das Thema Energiesparen nachhaltig durchsetzen kann. Was die Frage nach dem Schweizer Know-how angeht: Es ist in Russland sehr willkommen, allerdings ist das kein Thema, das nur von der Schweiz besetzt ist. Andere Länder engagieren sich in dieser Beziehung ebenfalls stark.
Viele Investoren erwähnen die hohen bürokratischen Hürden. Hat sich die Situation aus Ihrer Sicht in den letzten Monaten verbessert?
Grundsätzlich ist die Regierung durchaus bemüht, die bürokratischen Hürden abzubauen. Gerade etwa in der Frage der nötigen Lizenzen. Natürlich kommt es im Einzelfall immer darauf an, mit welcher Stelle man es zu tun hat. Der Beschluss zum Abbau bürokratischer Hindernisse und dessen Durchsetzung sind allerdings zwei paar Schuhe. Aber sicher ist Bürokratie kein explizit russisches Phänomen, auch wenn sie hier ausgeprägter ist.
Welche staatlichen und privaten Stellen in Russland sind für Schweizer Exporteure wichtige Ansprechpartner, die Unterstützung bieten können?
Ein guter und wichtiger Ansprechpartner ist sicher der Swiss Business Hub, der in die Schweizer Botschaft integriert ist und von der Osec geführt wird. Eine weitere Anlaufstelle für Kontakte kann beispielsweise die Vertretung der «Association of European Businesses» (AEB) in Moskau sein. Die Osec verfügt ihrerseits über einen grossen «Pool of Experts» (PoE), dessen Fachleute detaillierte Auskünfte geben können. Denn je nach Produkt oder Dienstleistungen sind auch in Russland spezifische Vorschriften, Zulassungs- und Sicherheitsfragen und vieles mehr zu beachten.
Welche Chancen ergeben sich für Schweizer Unternehmen rund um die Sportgrossveranstaltungen, gerade auch im Nachgang?
Wenn es eine Nachfrage für die entsprechenden Produkte gibt, dann lassen sich sicher auch Folgegeschäfte vereinbaren. Es sollte im Einzelfall abgeklärt werden, wer nach dem Ende der Veranstaltungen was in wessen Verantwortung weiterführt. Sochi beispielsweise war bisher kein grosses Geschäftszentrum, sondern ein Ferienort für Russen und andere Volksgruppen aus der Russischen Föderation. Prognosen dazu, wie sich die heute noch nicht fertig gebauten Zentren später einmal entwickeln werden, können noch nicht mit genügender Präzision gemacht werden.
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