Mehrwertsteuern in den EU-Mitgliedstaaten: Jeder nach seiner Façon

Bei der Gestaltung der Mehrwertsteuersätze haben die einzelnen EU-Mitgliedstaaten nach wie vor recht grosse Freiheiten. Und die nehmen sie auch wahr, was sich in einer von 15% bis 27% reichenden Spanne der Regelsätze und einer weitgehend heterogenen Anwendung der ermässigten Sätze manifestiert. Wer da den Überblick bewahren will, hält sich am besten an die EU-Publikation «Die Mehrwertsteuersätze in den Mitgliedstaaten der EU.»

Der durchschnittliche Mehrwertsteuersatz liegt in der EU bei 20,9%. Mit 15% verfügen Luxemburg und Zypern über den tiefsten Regelsatz. In Ungarn ist er mit 27% am höchsten. (Zum Vergleich: In der Schweiz wird ein Normalsatz von 8% erhoben.)

Seit 2008 hat sich der durchschnittliche EU-Mehrwertsteuersatz im Zug der Finanz- und Wirtschaftskrise von Jahr zu Jahr in kleinen Schritten nur, aber doch stetig erhöht. Dazu beigetragen haben in erster Linie, jene EU-Staaten, die sich von der Krise besonders hart getroffen zur Minimierung des wachsenden Haushaltsdefizits mit einer Anhebung des Mehrwertsteuersatzes behelfen mussten. Am kräftigsten fielen die Steuererhöhungen in Ungarn (+7 Prozentpunkte auf 27%), Grossbritannien (+5 PP auf 20%), Lettland (+4 PP), Griechenland (+4 PP auf 23%), Litauen (+3 PP auf 21%) und Portugal (+3 PP auf 23%) aus.

Die ermässigten Steuersätze entwickelten sich im gleichen Zeitraum weit weniger volatil und zeigten überdies eher sinkende Tendenz (teilweise Kompensation der erhöhten Normalsätze). Ausser Dänemark verwenden alle EU-Staaten ermässigte Mehrwertsteuersätze (in mehr als der Hälfte der EU-Staaten auch mehrstufige), von denen in der Regel einzelne Warengruppen, Geschäftsbereiche, Branchen oder Regionen profitieren. Wer welche Produkte wo zu einem ermässigten Mehrwertsteuersatz verkaufen kann, ist in der EU nicht einheitlich geregelt und liegt zu einem Gutteil in der Kompetenz der einzelnen Mitgliedstaaten. Entsprechend unterschiedlich präsentieren sich die Anwendungsbereiche und die Höhe der ermässigten Steuersätze, die von 2,1% (stark ermässigter Satz/Satzstufe 3 in Frankreich) bis 18% (ermässigter Satz/Stufe 1 in Ungarn) reicht.

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