KMU-Exportindikator 1. Quartal 2012: Stabilisierung auf tiefem Niveau

Die Exportstimmung unter den Schweizer KMU hat sich im Quartalsverlauf kaum verändert. Positive Faktoren wie die durch die SNB festgelegte Franken-Untergrenze zum EuroName der Einheitswährung der Europäischen Union (EU), die allerdings vorerst nur von 16 der 27 Mitgliedstaaten genutzt wird. Grossbritannien, Dänemark und Schweden sowie Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Polen, Tschechien und Ungarn halten noch an ihren traditionellen nationalen Währungen fest.

Neben den 16 EU-Staaten, die kurz Euro-16 genannt werden, umfasste die Eurozone neun Nicht-EU-Staaten, die den Euro als Währung benutzen. So beispielsweise Andorra, Montenegro, Kosovo, San Marino und der Vatikan.

Der Euro existiert seit dem 1. Januar 1999 als Buchgeld; die Wechselkurse der Währungen der beteiligten Staaten sind seit diesem Datum untereinander und zum Euro unwiderruflich fixiert. Seit dem 1. Januar 2002 sind auch Euro-Noten und -Münzen in den Umlauf.

Der Euro wurde im Rahmen der so genannten Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) realisiert. An dieser Währungsunion können nur EU-Staaten teilnehmen, die bestimmte Konvergenzkriterien erfüllen. Diese Kriterien enthalten Vorgaben über die Höhe des zulässigen Inflations- und Zinsniveaus, über die Staatsverschuldung sowie über die störungsfreie Teilnahme am Europäischen Währungssystem (EWS; System zur Stabilisierung der Wechselkurse der Währungen der EU-Staaten). Im Rahmen eines Mechanismus zur Koordinierung und Überwachung der nationalen Wirtschaftspolitiken wird die Einhaltung dieser Kriterien periodisch überprüft. Ziel ist es, in den an der WWU beteiligten EU-Staaten eine möglichst hohe Preisniveaustabilität zu gewährleisten. Diesem Ziel ist auch die Europäische Zentralbank verpflichtet, die seit der Einführung des Euro anstelle der nation
sowie die Stützungsmassnahmen für die verschuldeten Euro-Staaten auf der einen Seite und eine hohe Unsicherheit bezüglich der weltweiten Konjunkturentwicklung auf der anderen Seite halten sich die Waage. Als Konsequenz haben sich die Indices des KMU-Exportindikators der Credit Suisse und der Osec auf tiefem Niveau stabilisiert.

Das Exportbarometer der Credit Suisse, das die ausländische Nachfrage nach Schweizer Produkten abbildet, notiert per 1. Quartal 2012 auf einem Stand von -0.63. Es liegt somit nochmals tiefer als im 4. Quartal 2011, aber noch immer über der Wachstumsschwelle von -1. Am aktuellen Datenrand ist zudem ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Ob dies bereits als Trendwende der internationalen Konjunktur- und damit der Exportaussichten interpretiert werden darf, wird die Entwicklung in den nächsten Monaten zeigen.

Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Datastream, Credit Suisse Economic Research

Die KMU-Exportperspektiven der Osec zeigen nach wie vor eine stagnierende Exportstimmung: Aktuell wird ein Wert von 49,5 Punkten erreicht, gegenüber 49,7 Punkten im Vorquartal. Dieser Wert errechnet sich aus der Exportstimmung der KMU für das 1. Quartal 2012 sowie den effektiven Exporten im Vorquartal. Auf der von 0 bis 100 reichenden Skala signalisieren Werte unter 50 einen Rückgang der Exporte. Nach dem kontinuierlichen Rückgang im Jahresverlauf 2011 von 70,6 im 1. Quartal auf unter 50 im 4. Quartal hat sich der Indexwert nun auf diesem tiefen Niveau stabilisiert.

Quelle: Befragung eines Panels von über 200 Schweizer KMU

30% der im Rahmen der KMU-Exportperspektiven der Osec antwortenden Schweizer KMU erwarten für das kommende Quartal einen Exportzuwachs, gegenüber 32% im Vorquartal. Vor Jahresfrist waren noch 58% der KMU optimistisch gewesen. 43% der KMU rechnen gegenwärtig mit einer Stagnation ihres Exportvolumens, was zu Beginn des 4. Quartals 2011 40% befürchtet hatten. Nahezu unverändert ist der Anteil der KMU, die von rückläufigen Exporten ausgehen: Er liegt zu Beginn des 1. Quartals 2012 bei 27%, gegenüber 28% im Vorquartal. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 9%.

Heterogenes Bild nach Sektoren

Gemäss dem Credit Suisse Exportbarometer werden für die Metallindustrie sowie die Elektronik- und Präzisionsinstrumente leicht überdurchschnittliche Exportaussichten vorausgesagt. Leicht unterdurchschnittliche Exportaussichten bestehen für die Papierindustrie und die chemische Industrie.

Deutlichere Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren ergeben sich aus den KMU-Exportperspektiven der Osec: Während die Papierindustrie, die räzisionsindustrie und der Dienstleistungssektor immer noch ein teils solides Exportwachstum erwarten, gehen die Unternehmen der übrigen Branchen von rückläufigen Ausfuhren aus. Besonders negativ ist die Stimmung weiterhin im Sektor Elektrotechnik. Ebenfalls deutlich pessimistisch sind die KMU in der Maschinenbaubranche.

Quelle: KMU-Exportperspektiven der Osec

Die Unternehmen, die in den kommenden Monaten höhere Exporte erwarten, führen dies vor allem auf Produktinnovation (55% der Nennungen; Mehrfachnennungen möglich) und verstärktes Marketing (43%) zurück. Insbesondere der Faktor Innovation hat gegenüber den Vorquartalen deutlich an Bedeutung gewonnen.

KMU, die von rückläufigen Ausfuhren ausgehen, schreiben dies klar dem konjunkturellen Abschwung zu: 65% nennen diesen Faktor, gegenüber 53% im Vorquartal und nur 22% vor Jahresfrist. Stabil geblieben ist der Faktor Konkurrenzdruck mit 45% der Nennungen. Preissenkungen als dritter relevanter Faktor werden mit 34% etwas weniger oft genannt als im Vorquartal (36%), aber deutlich öfter als vor Jahresfrist (26%).

Die Mehrzahl der Unternehmen wird weiterhin gleichviel oder mehr in ihre Exportaktivitäten investieren, insbesondere in die für den Erfolg im Ausland offenbar entscheidenden Faktoren Marketing und Produktinnovation.

Europa bleibt Hauptabsatzmarkt

Gemäss dem Exportbarometer der Credit Suisse sind Wachstumsimpulse zurzeit vor allem aus den USA sowie einigen Schwellenländern wie Indien oder der Türkei zu erwarten. Für Europa ist weiterhin mit einer nur schwachen Exportentwicklung respektive einer Stagnation zu rechnen.

Ungeachtet von Frankenstärke und Eurokrise bleibt Europa die bei weitem bedeutendste Absatzregion für Schweizer Ausfuhren. 90% der durch die Osec befragten Schweizer KMU beabsichtigen, in den kommenden sechs Monaten nach Europa zu exportieren, gegenüber 91% im Vorquartal (Mehrfachnennungen möglich). Wichtigster europäischer Exportmarkt bleibt Deutschland, wohin 78% der befragten KMU Waren oder Dienstleistungen ausführen werden, gefolgt von Österreich (54%), Frankreich (49%) und Italien (47%).

Gegenüber der Umfrage zum 1. Quartal 2011 haben Europa und die umliegenden Länder deutlich an Gewicht gewonnen: Damals gaben 77% der KMU Europa als Exportdestination an. Auf Deutschland entfielen 67% der Nennungen, auf Österreich 43%, auf Frankreich 42% und auf Italien 38%.

55% der Schweizer KMU werden im nächsten Halbjahr in die Region Asien-Pazifik exportieren (Vorperiode 49%). An erster Stelle unter den asiatischen Exportdestinationen liegt China mit 35% der Nennungen vor Indien mit 25% und Japan mit 24%. Nach Nordamerika dürften in den kommenden sechs Monaten 39% der KMU exportieren, 31% in die Region Naher Osten-Afrika sowie 23% nach Südamerika.

Quelle: KMU-Exportperspektiven der Osec

Frankenstärke bereitet KMU weiter Sorgen

70% der im Rahmen der KMU-Exportperspektiven der Osec befragten Unternehmen erwarten, dass sich ihr Exportwachstum als Folge des starken Schweizer Frankens verlangsamen wird. Im Vorquartal waren es 73%, vor Jahresfrist hingegen erst 58%. Insbesondere die Branchen Maschinenbau (84% erwarten einen negativen Einfluss), Metallindustrie (82%) und Konsumgüter (77%) sind von der Wechselkursentwicklung stark betroffen. Verhältnismässig resistent zeigt sich der Dienstleistungssektor (52%).

79% der befragten KMU geben an, dass der starke Franken negative Auswirkungen auf ihre Gewinnmargen hat. Im Vorquartal waren es 83%. Besonders ausgeprägt ist der Margendruck in der Metallindustrie (100%), im Chemie/Pharmasektor (91%) sowie in der Elektrotechnik (88%). Die 21% der KMU, die keinen negativen Einfluss auf ihre Gewinnmargen befürchten, geben als Gründe an, dass sie Preiserhöhungen durchsetzen können, ihre Fertigungskosten senken oder sich gegen Währungsschwankungen absichern.

Methodik

Credit Suisse Exportbarometer

Das Credit Suisse Exportbarometer nutzt die Abhängigkeit der Schweizer Exporte von der Nachfrage auf den ausländischen Exportmärkten. Zur Konstruktion des Exportbarometers werden wichtige Vorlaufindikatoren für die Industrie in den 28 wichtigsten Abnehmerländern zusammengetragen. Diese Indikatoren haben in der Regel einen Prognosehorizont von ungefähr einem bis zwei Quartalen. Die Werte dieser Vorlaufindikatoren werden mit dem Exportanteil des jeweiligen Landes gewichtet.

Das Exportbarometer verdichtet diese Informationen zu einem einzigen Indikator. Da es sich um standardisierte Werte handelt, wird das Exportbarometer in Standardabweichungen angegeben. Die Nulllinie entspricht dem langfristigen durchschnittswachstum der Schweizer Exporte von 4,8% seit 1985. Die Wachstumsschwelle liegt dementsprechend unter der Nulllinie bei etwa -1.

Die Abbildung 1 unterstreicht den Prognosecharakter des Credit Suisse Exportbarometers: Die Korrelation zwischen dem Exportwachstum (gleitender Durchschnitt über 6 Monate) und dem Barometer mit einem Vorlauf von einem Quartal beträgt gute 0.82. Neben der Prognose für die Gesamtexporte ermöglicht das Exportbarometer auch spezifische Vorhersagen für einzelne Branchen oder Regionen.

Für ausführlichere Informationen:

Credit Suisse (2009), Aussenhandel Schweiz - Fakten und Trends, Swiss Issues Branchen, verfügbar unter
www.credit-suisse.com/research

Osec-KMU-Exportperspektiven

Das Konzept zur Berechnung der Osec-KMUExportperspektiven ist denkbar einfach: die KMU geben an, ob sie im laufenden Quartal im Vergleich zum Vorquartal einen Zuwachs, eine Stagnation oder einen Rückgang ihrer Exporte erwarten. Die gleiche Frage wird gestellt hinsichtlich der Exporterwartungen für das folgende Quartal, im Vergleich zum laufenden Quartal. Um den Prognosecharakter der KMUExportperspektiven zu betonen, wird die erwartete Exportaktivität im folgenden Quartal mit 60% gewichtet, während die Exporte im laufenden Quartal mit 40% gewichtet werden. Die KMU-Exportperspektiven können Werte zwischen 0 und 100 erreichen, wobei Werte zwischen 0 und 50 einen erwarteten Rückgang der Exporte anzeigen und Werte von 50 bis 100 ein erwartetes Exportwachstum signalisieren.

Die KMU-Exportperspektiven basieren auf der quartalsweisen Befragung von über 200 Unternehmen aus einem festen Panel von Schweizer KMU. Die Teilnehmer repräsentierten die Branchen Pharma / Chemie, Maschinenbau, Konsumgüter, Metallindustrie, Papier, Elektrotechnik, Präzisionsindustrie und Dienstleistungen. Über die Angaben zum Exportvolumen liefern die Teilnehmer weitere Informationen, beispielsweise zu den Gründen für die Veränderung ihres Exportvolumens, den Exportmärkten, etc. Diese Angaben liefern ein aussagekräftiges Bild über die Exportaktivitäten der Schweizer KMU.

Für ausführlichere Informationen:
www.osec.ch/exportindikator

Kontakte
Credit Suisse AG:
Bettina Rutschi, Credit Suisse Economic Research
Tel. +41 44 334 39 38, bettina.rutschi@credit-suisse.com
Osec:
Patrick Djizmedjian, Medien + Public Relations Manager /
Mediensprecher
Tel. +41 44 365 55 16, pdjizmedjian@osec.ch

Credit Suisse AG

Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse (nachfolgend «die Credit Suisse »). Als integrierte Bank bietet die Credit Suisse ihren Kunden ihr gebündeltes Fachwissen in den Bereichen Private Banking, Investment Banking und Asset Management an. Sie offeriert Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung, umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa 50 700 Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG, der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie, in Form von American Depositary Shares (CS), in New York kotiert. Weitere Informationen über die Credit Suisse finden Sie unter www.credit-suisse.com.

Osec

Die Osec informiert, berät und begleitet Schweizer und Liechtensteiner KMU bei ihren internationalen Geschäftsvorhaben. Dazu vernetzt sie Unternehmen, Knowhow-Träger sowie private und öffentliche Organisationen weltweit und ermöglicht so eine schlagkräftige Aussenwirtschaftsförderung. Neben der Exportförderung nimmt die Osec auch die nationale Standortpromotion der Schweiz sowie die Importförderung zu Gunsten von ausgewählten Entwicklungs- und Transitionsländern wahr. Im Rahmen der vom Bund beschlossenen Stabilisierungsmassnahmen werden zusätzliche Mittel zum Aufbau von speziellen Exportplattformen eingesetzt.

 
Weitere Informationen über die Osec finden Sie unter www.osec.ch.

Disclaimer

Dieses Dokument wurde von der Credit Suisse und der Osec erstellt. Es ist nicht das Ergebnis einer Finanzanalyse. Daher finden die „Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse" der Schweizerischen Bankiervereinigung auf vorliegendes Dokument keine Anwendung. Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken. Die darin vertretenen Ansichten sind diejenigen der Osec und der Credit Suisse zum Zeitpunkt der Drucklegung (Änderungen bleiben vorbehalten). Die Informationen und Analysen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Credit Suisse und die Osec geben jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnen jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Informationen ergeben.

Die Publikation darf mit Quellenangabe zitiert werden.
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