Den Aufschwung der Niederländer nutzen

Unter dem steigenden Kostendruck im Zuge der schwächelnden Weltwirtschaft werden immer mehr Produktionsschritte grenzüberschreitend ausgelagert. Die Niederlande als klassisches Transport-Logistikland profitieren davon – und investieren kräftig in die Infrastruktur. Schweizer KMU haben die Chance, an vielen Ausbauprojekten teilzunehmen.
Die zentrale Lage der Niederlande, kombiniert mit einer ausgezeichneten Infrastruktur, bietet gute Voraussetzungen für neue Investoren. Der Hafen von Rotterdam ist der grösste Seehafen von Europa und der viertgrösste der Welt. Der Flughafen von Schiphol rangiert unter den besten in Europa (Passagier- und Cargo-Transport). Das Autobahnnetz des Landes ist eines der dichtesten und am besten ausgebauten der Welt. Das gilt auch für das flächendeckende Schienennetz. Vor allem der Schifffahrt bieten die Niederlande viele Vorteile: unter anderem mehrere grosse Flussmündungen und ein weit verzweigtes Kanalnetz.
Neue Investitionen
Noch 2011 sah es für die Logistik- und die Baubranche in den Niederlanden nicht gut aus. Investitionen blieben aus, die Rezession schlug durch. Doch das Blatt hat sich gewendet. Die Transaktionen der letzten Monate und die Investitionspläne der Regierung stimmen zuversichtlich. Ein Beispiel: Die Niederlande sind daran, bestehende Lücken im Autobahnnetz zu schliessen, vor allem zwischen Amsterdam und Antwerpen sowie zwischen Delft und Schiedam. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Vertrauen der Investoren wieder zurückgekehrt ist. Und so ironisch es klingen mag: Durch die Verlagerung vieler Produktionsschritte in Niedriglohnländer kommt es zu einer grösseren Nachfrage nach Transportkapazitäten im Güterverkehr, vorab im Schiffsverkehr. Auf die Strasse gehen die Logistiker immer weniger gerne – staatliche Einschränkungen und oft prekäre Verkehrsverhältnisse haben zu einem Umdenken geführt.
Mehr Freund als Feind
Die deutschen Logistiker stehen den Schweizer Transporteuren oft als harte Konkurrenten gegenüber. Doch die äusserst anspruchsvollen Prozesse führen gleichzeitig zu immer mehr grenzüberschreitenden Kooperationsmodellen, denn nur wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, lassen sich die hohen Ansprüche der Auftraggeber erfüllen. Kommt dazu, dass Schweizer KMU als Zulieferer etwa im Logistik-«Teilbereich» Automotive ebenfalls auf den schneller werdenden Zug aufspringen können. Und die Schweiz liegt halt zwischen Rotterdam und Genua…
Ausgewählte Grossprojekte
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Rotterdam Central District |
3 Mrd. |
Bauphase, Baubeginn 2008 |
Urbanes Zentrum www.rotterdam-centraldistrict.nl |
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2,9 Mrd.
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Ausbau begann 2008, 1. Ausbaustufe bis 2013, Chancen für Subaufträge |
Erweiterung des Hafens um 20% auf 6000 Hektaren, Umschlagkapazität für Container wird sich verdreifachen www.maasvlakte2.com |
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Stadshaven Rotterdam |
(k.A.) |
Bauphase |
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Arnheim Centraal |
325 Mio. |
Durchführung, bis 2015 |
Ausbau des Arnheimer Bahnhofsgebiets www.arnhemcentraal.nl |
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CU 2030 Utrecht |
3 Mrd. |
Durchführung, Bauzeit bis 2030 |
Ausbau des Utrechter Bahnhofsgebiets www.cu2030.nl |
Quellen: Germany Trade & Invest; Pressemeldungen
Belgien als Perle nebenan
Belgien verfügt ebenfalls über eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur. Ein paar Beispiele: Frankreich, Deutschland und die Niederlande schliessen nahtlos an das belgische Strassennetz an, das mit sieben internationalen Autobahnen (1‘763 km) zur Spitze Europas gehört. Regional- (12‘585 km) und Provinzialstrassen (1‘349 km) bieten im ganzen Land Ansiedlungsmöglichkeiten für verschiedene Gewerbesektoren. Belgien verfügt zudem über eines der dichtesten Schienennetze der Welt. Jedes Jahr werden mehr als 188 Mio. Reisende und über 62 Mio. Tonnen Fracht per Bahn befördert. Die Hochgeschwindigkeitszüge fahren bis zu zehn Mal pro Tag nach London (111 Minuten) und machen auch Köln, Amsterdam und Paris schnell erreichbar (80 Minuten) – und damit auch die Schweiz.
Über Deutschland in die Niederlande
Ob Belgien oder die Niederlande – ihre exzellenten Verkehrsanbindungen zu Land, Luft und Wasser sind in Europa Spitzenreiter für den internationalen Verkehr. So wie die Schweiz für den innereuropäischen Nord-Süd-Verkehr eine wichtige Drehscheibe ist. Doch wie «landen» Schweizer KMU nun konkret in den Niederlanden? Ein Unternehmen, das bereits erfolgreich dorthin exportiert, ist das Kreuzlinger KMU Ecolistec. Es ist im Abwasser- und Transportwesen tätig und expandierte zuvor bereits nach Deutschland. Ecolistec Geschäftsführer Joachim Esser: «Die Holländer sprechen gut an auf unsere nachhaltigen Produkte.» Da persönliche Kontakte und das Wissen um die Spielregeln im Markt wie immer wichtige Erfolgsmomente darstellen, bietet sich die Osec als Berater bei allen Geschäftsanbahnungen an. Dazu nochmal das Beispiel Ecolistec: Das Kreuzlinger Unternehmen hat mit Hilfe der Osec im Jahre 2011 geeignete Distributoren gefunden und bereits erste Verkäufe getätigt. Die Dienste der Osec seien für Ecolistec als kleines KMU sehr wertvoll gewesen, sagt Joachim Esser.
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