Chinesischer Verbrauchermarkt auf der Überholspur

Der chinesische Konsumgütermarkt wächst ungebrochen. Spätestens in drei Jahren wird in China mehr konsumiert als in Japan und Deutschland zusammen.
Der chinesische Anteil am globalen Konsumgütermarkt beträgt derzeit 5,29%. Bis 2015 dürfte er gemäss der Studie «China Consumer Market Strategies 2011» der US-Handelskammer in Shanghai und des Beratungsunternehmens Booz&Co auf rund 14% ansteigen. Damit wird China die in der Rangliste der konsumkräftigsten Nationen derzeit noch vor ihm platzierten Japan (2011: 8,51%) und Deutschland (2011: 5,65%) deutlich überflügeln und den Abstand zu Spitzenreiter USA (2011: 28,90%) markant verringern.
Das kräftige Wachstum im chinesischen Verbrauchermarkt geht mit einer fortschreitenden Angleichung des Konsumverhaltens an die Verbrauchergewohnheiten in den Industrieländern einher.
Die Studie macht dabei sechs prägende Trends aus:
- Zunehmende Beeinflussung von aussen: Das wachsende Produktangebot, die besseren Vergleichsmöglichkeiten (Besuche im Ausland, Fernsehen, neue Medien) weckt laufend neue Bedürfnisse und Begehrlichkeiten.
- Informationstechnologie: Im chinesischen Verbrauchermarkt gewinnen Internet und E-Commerce rapide an Bedeutung.
- Gesundheit und Ernährung: Die chinesischen Konsumenten bevorzugen vermehrt Produkte, die zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen, vor allem im Gesundheits- und Ernährungsbereich.
- Demografische Veränderungen: Auch in China nimmt die Zahl der älteren Menschen Jahr für Jahr zu.
- Zunehmende Mobilität: Neue Verkehrsströme sorgen auch für eine erhöhte Mobilität bei der Wahl der Einkaufsorte.
- Freizeit: Dank besseren Verdienstmöglichkeiten und wachsender Kaufkraft verfügen die chinesischen Konsumenten zusehends über mehr Freizeit und mehr Mittel, diese auch ihren wachsenden Ansprüchen gemäss zu nutzen.
Allerdings fühlt sich laut der Studie nur eine Minderheit, der in China tätigen Unternehmen ausreichend vorbereitet, um diesen sich abzeichnenden Konsumtrends in China gerecht werden zu können. Die ausländischen Unternehmen beklagen vor allem Defizite bei der Nutzung neuer elektronischer Medien zur Bearbeitung und Durchdringung des chinesischen Konsumgütermarkts. Auch die demografischen Veränderungen wurden bislang noch zu wenig berücksichtigt. Recht gut gerüstet glauben sich die Unternehmen aber im Hinblick auf die wachsenden Qualitätsansprüche der chinesischen Konsumenten.
Um diese Trends kongenial aufnehmen zu können, fehlt es den Unternehmen aus ihrer Sicht nach wie vor an den hierzu notwendigen Fachkräften vor Ort. Auch die organisations- und produktionstechnisch zuweilen mangelhaften Strukturen werde von vielen als grosse Hypothek angesehen.
Gleichwohl wollen die meisten Unternehmen ihre Anstrengungen weiter verstärken, um im chinesischen Konsumgütermarkt den Anschluss zu halten und nach Möglichkeit zusätzliche Anteile zu gewinnen. Im Fokus steht dabei vor allem die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen und eine intensivierte Marktbeobachtung.
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