«Erfolg ist keine Frage der Unternehmensgrösse»

«export!» unterhielt sich mit dem neuen Leiter des Swiss Business Hub Asean in Singapur, Kian Boon Lim. Er erzählt von Chancen und vermeidbaren Problemen in der prosperierenden Region und welche Ressourcen Schweizer KMU für eine Expansion in diesen Raum benötigen.
Welche wirtschaftlichen Trends sehen Sie in den nächsten Jahren auf die Asean-Staaten zukommen?
K. B. Lim: Das Asean-Bündnis strebt für 2015 eine umfassende Freihandels-Lösung an mit freiem Waren-, Kapital- und Personenverkehr. Die angestrebte stärkere ökonomische Bindung soll den Austausch untereinander sowie Direktinvestitionen mit dem Schwergewicht auf Industrie und Infrastruktur fördern. Ebenfalls ausgebaut werden sollen die Verkehrswege zu Land, Luft und Wasser sowie die Telekommunikationsverbindungen. Die wachsende Mittelschicht wird die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen erhöhen.
Welche Branchen würden konkret profitieren?
Der Automobilsektor, Konsumgüterelektronik, Mobilfunk-Endgeräte, Fertiggerichte, Luxusgüter und ferner alles, was mit der Urbanisierung einhergeht. So wird der Detailhandel ein grosses Wachstum erfahren. Ausserdem steigen mit dem wachsenden Reichtum auch die Ansprüche an das Gesundheitswesen und die Bildung.
In welchen Marktsegmenten und Regionen sehen Sie für Schweizer Exporteure die grössten Chancen?
Neben den bereits angesprochenen Branchen und den «Klassikern» wie etwa der Maschinenindustrie, Finanzdienstleistungen und Pharma sehen wir weitere Möglichkeiten in der Medizinaltechnik, aber auch in allen Bereichen von Cleantech, da die Asean-Staaten zunehmend mit Fragen des Umweltschutzes konfrontiert sind. Man muss aber bei allem im Auge behalten, dass die einzelnen Länder nicht alle den gleichen Entwicklungsstand aufweisen, verschiedene demografische Strukturen haben und über einen unterschiedlichen Reichtum an Bodescnhätzen verfügen. Das FreihandelsabkommenFreihandelsabkommen erfassen im Regelfall den grenzüberschreitenden Warenverkehr zwischen den Vertragsparteien. Waren, die unter solche Abkommen fallen, kommen in den Genuss von Zollbegünstigungen bzw. Zollbefreiung. Sie müssen allerdings Ursprung in einem der Vertragsstaaten haben, um von dieser präferenziellen Behandlung zu profitieren.
Die Schweiz hat mit verschiedenen Staaten und Staatengruppen Freihandelsabkommen abgeschlossen., das die EFTA-Länder Schweiz und Liechtenstein mit Singapur geschlossen haben, eröffnet Investoren und Exporteuren einen Wettbewerbsvorteil. Daher begrüssen und erwarten wir in den nächsten Jahren zusätzliche Freihandelsabkommen zwischen weiteren Asean-Staaten und der Schweiz bzw. den EFTA-Ländern.
Sie sind neuer Hub-Leiter Asean in Singapur. Können Sie uns einen kurzen Überblick über Ihren beruflichen Werdegang geben?
In den letzten 20 Jahren habe ich in verschiedensten Gebieten der Marktentwicklung gearbeitet. Das Spektrum reicht vom Warenhandel und Lebensmittelvertrieb über Autos, Halbleiter, bis zum Marketing im Ingenieurwesen, im Transportgeschäft, der Telekommunikation und in der Biomedizin. In den letzten elf Jahren habe ich viel Erfahrung in der Exportförderung im Asean-Raum gesammelt.
Welche Ziele haben Sie sich als neuer Hub-Leiter gesetzt?
Natürlich lauten meine vorrangigen Ziele Förderung des Exports und Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Asean-Bündnis. Das bedeutet eine enge Zusammenarbeit mit vielen Interessengruppen – dem Departement für auswärtige Angelegenheiten, dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), den Botschaften und natürlich der Osec. Wir wollen Schweizer und Liechtensteiner Unternehmen ihre Exportchancen aufzeigen. Daneben engagiere ich mich auch bei der Standortpromotion, also zeige vor Ort auf, welche Vorteile die Schweiz in Europa als Wirtschaftsstandort aufweist.
Wie hat sich die Zahl der Schweizer Unternehmen im Asean-Raum entwickelt?
Positiv, und das seit Jahren. Genauere Untersuchungen liegen mir nicht vor. Ich will Ihnen dafür eine qualitative Antwort geben: Schlüsselfaktoren für den Export sind Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Konkret heisst das, dass wer exportieren will, die nötigen Ressourcen haben muss, um eine entsprechende Marktentwicklungsstrategie auch umsetzen zu können. Und das ist keine Frage der Unternehmensgrösse – hier sind auch Schweizer Unternehmen mit weniger als zehn Angestellten präsent. Und wie gesagt: Ihre Zahl wächst.
Welchen Rat geben Sie KMU, die den Einstieg in den Asean-Markt suchen?
In Asien gibt es die Redewendung «Sich selbst kennen und den Markt verstehen sichert den Erfolg». Will heissen: Studieren Sie die Märkte vor dem Eintritt. Der Swiss Business Hub Asean als Netzwerkpartner der Osec bietet Ihnen die nötige Exportberatung.
Welches sind die typischen Fehler, auf die Sie immer wieder aufmerksam machen müssen? Wo liegen die Fussangeln und Fettnäpfchen?
In erster Linie ist es die mangelnde Vorbereitung. Erstellen Sie Marktanalysen und unterschätzen Sie nicht die Konkurrenz. Viele unterschätzen die Mittel, die nötig sind, um ein Geschäft aus räumlicher Distanz und einer anderen Zeitzone heraus zu führen. Nachhaltiger Erfolg stellt sich dann ein, wenn Sie eine Präsenz vor Ort haben, die in allen wichtigen Belangen nahe bei Ihren Kunden ist. Oft werden auch die Unterschiede in den Kulturen und der Business-Etikette unterschätzt. Hilfreich sind hier lokale Vertreter oder Vermittler, die die Beziehungen zwischen Kunden, Partnern und Distributoren pflegen. Und um das Freihandelsabkommen optimal zu nutzen, empfehle ich, auf Osec-Berater zuzugehen. Und am Schluss noch ein praktischer Tipp: Seien Sie für genügend Nachschub an Visitenkarten besorgt, und zwar auch in englischer Sprache.
Ein Interview mit Lim Kian Boon, Head of Swiss Business Hub Asean.
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